Ansbacher Bardentreffen zum ersten Mal im öffentlichen Raum Musikfest gegen KommerzEtwa 200 Besucher in der Reitbahn - Kunsthaus geöffnetANSBACH (aho) - Es war ein Fest für echte Musiker-Originale: Ein bisschen schräg, sehr familiär und mit einer großen Portion Selbstironie präsentierte sich das 19. Ansbacher Bardentreffen, zu dem sich am Samstag und Sonntag Musikgruppen und Liedermacher in der Allee in der Reitbahn getroffen haben. Zum ersten Mal fand das Bardentreffen auf Wunsch des Organisators Thomas Fitzthum im öffentlichen Raum statt - in Zusammenarbeit mit der Stadt Ansbach und dem Kulturverein Speckdrumm. "Eine super Kulisse", freute sich Fitzthum, der schon lange mit dem Gedanken spielte, das Bardentreffen in den öffentlichen Raum zu verlegen. In den vergangenen Jahren fand das Musikfest im Kulturverein Speckdrumm in der Naglerstraße statt. Dort seien jedoch höchstens 20 bis 40 Zuschauer gekommen, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Hans Ruppert. An diesem Wochenende zählten die Veranstalter dagegen um die 200 Besucher. Dabei erhielten die Organisatoren Unterstützung durch die Stadt: "Mein Ziel war, wenn wir was machen und Bardentreffen in der Öffentlichkeit präsentieren, dann auch in einer offenen Atmosphäre und im Freien", erklärte Siegfried Blank, Leiter des Amtes für Kultur und Touristik, der das Bardentreffen heuer selbst zum ersten Mal besuchte. Zum Bardentreffen hatte auch das Kunsthaus seine Pforten bis in die Nachtstunden geöffnet: Besuchern, die sich sonst wenig für Kunst interessierten, werde so die Schwellenangst genommen, erklärte Blank. "Sie können ganz entspannt reinkommen und sich die Bilder anschauen." Und die Verbindung von Kunst und Musik ist aufgegangen: Nicht nur die Barden-Fans schlenderten ganz zwanglos durch die Ausstellung, im Gegenzug blieben auch viele kunstinteressierte Galeriebesucher stehen, um den Liedermachern zu lauschen. Zu hören gab es eine bunte Mischung, von einer "Jam-Session", bei der Musiker verschiedener Bands ganz spontan gemeinsam auf der Bühne improvisierten, bis zu Fitzthums "Rezatschwalben" und den Liedermachern "Herrenholz" , die politische und gesellschaftliche Themen in fränkische Mundart verpackten. Für Stimmung sorgten am Samstag "Stormy Weather" und die deutsch-irische Formation "Wild Rovers" mit Countryund Folkrhythmen. Am Sonntag beeindruckten Jenny Boneja mit poppigen Balladen am Piano und Thomas Bruchhold an der Gitarre mit seiner kraftvollen Opernsänger-Stimme. Doch auch etwas schräge und experimentelle musikalische Einlagen gehören zu einem Bardentreffen dazu: Gerade einfache Liedermacher, die sonst keine Gelegenheit fänden, auf einer Bühne zu stehen, könnten sich bei so einer Gelegenheit der Offentlichkeit präsentieren, meinte Ruppert. "Das macht das Bardentreffen aus, es ist nicht so professionell und kommerziell wie andere Veranstaltungen." Und selbst wenn ein Ton mal nicht richtig getroffen wird: "Die Leute sind nett und applaudieren trotzdem." Das Bardentreffen könnte in der Reitbahn nun einen festen Platz bekommen: "So wie es ausschaut, sehe ich das überhaupt nicht gefährdet", sagte Blank. Die Stadt habe zudem nur wenig Aufwand mit der Organisation gehabt. Auch das zeitgleich im Schlosshof stattfindende Sommernachts-Kino sei nicht gestört worden. "Ich finde, es ist eine unheimlich nette und entspannte Atmosphäre hier", schwärmte Blank. "Das schreit nach Wiederholung, auch über das Bardentreffen hinaus." Er plant, das Musikereignis im kommenden Jahr mit einem Künstlerfest zu kombinieren. Und dann will er nicht nur das Kunsthaus, sondern auch andere Ansbacher Kunstvereine mit einbinden. |
![]() Foto: Hofmann |