Konzertlesung mit Wolfgang Suk und Ulrich Rasche in der Ansbacher Karlshalle
Cronegk-Denkmal:. Frei, frech und feurig
Erinnerung an den Poeten - Mit Pathos und musikalischen Überraschungsmomenten
ANSBACH - Wen die Götter lieben,
den rufen sie früh zu sich. Was
besonders tragisch wirkt, wenn eingenial Talentierter kaum Gelegenheit hat, einer von den Großen zu werden. Wie der Ansbacher Poet Johann
Friedrich von Cronegk
(2. September 1731 bis 1. Januar 1758). Dem imaginären Cronegk-Denkmal zum Gedenkjahr fügten der Journalist und Rezitator Wolfgang Suk und
sein Gitarrenpartner Ulrich Rasche nun einen wichtigen Baustein in Konzertlesungsform hinzu.
Der Duoabend in der Ansbacher Karlshalle unter dem Motto "Cronegk - ein Dichter vor seiner Zeit" lehnt sich formal seinem Sujet an und gerät so kompakt, knackig und
künstlerisch dicht wie Cronegk kurzes Schriftsteller-Leben. Wolfgang Suk geriert sich einmal mehr als ausgewiesener Kenner des fast vergessenen Literaten und Lyrikers Cronegk. Wenn Suk über
Cronegk spricht, muss er Lebensdaten und Knotenpunkte der Dichter-Vita nicht ablesen, sondern referiert so frei wie frech und feurig - hier setzt sich ein offensichtlicher Fan
mit Cronegk auseinander, kein trockener Wissenschaftler.
Suk stellt Cronegk in den Kontext seiner Zeit und seiner Dichter-Kollegen und macht unmissverständlich klar, wie anders der Autor war, dessen Werke er vortragen will. Nicht nur, dass
Cronegk' dem absolutistischen Pomp des Hochbarock moralische Prinzipien wie Bescheidenheit, Klarheit und Reinheit entgegensetzte und diese Tugenden auch zu leben versuchte - er
stand auch stilistisch jenseits seiner Epoche. Ein zeituntypisch.spöttischer Ironiker, gesegnet mit scharfer Beobachtungsgabe und präziser Diktion,
der in seinen Gedichten bereits die emotional gefarbten Seelenlandschaften der Stürmer, Dränger und Romantiker vorwegnahm.
Dem angemessen liest Wolfgang Suk mit einem Maß an Pathos und Vehemenz, wie es bei der Interpretation
von Barocklyrik gemeinhin kaum üblich ist. "Das glückliche Leben" findet Cronegks Protagonist nicht im unberühten Naturidyll, sondern im Glauben. "Der Ruhm" ist eine fragwürdige Angelegenheit in einer Gesellschaft, deren Sitten aus Dichtersicht verroht und pervertiert sind. Das Gegenmodell stützt sich auf den Wer wahrer Liebe.
Passend zum Thema hat sich Ullrich Rasche mit Komponisten befasst, deren Musik annähernd so überzeitlich und frei von Stilzwängen erscheint, wie Cronegks Texte.
Dies kann ein für die spanische Gitarre transponiertes "Grave"-Adagio aus Johann Sebastian Bachs zweiter a-Moll-Soloviolinsonate (BWV 1003) sein oder eine Sonate von Fernando
Sor, eine Sonatine von Mauro Giuliani oder die Partita eines unbekannt gebliebenen barocken Tonsetzers. Gemeinsam ist den Stücken jenes Überraschungsmoment, das sich auch bei Cronegk findet. Rasche bewältigt auch
schwierige Passagen mit lockerer Souveränität und Fingerspitzengefühl.
Am Ende bleibt der Eindruck einer
klug gemachten Hommage, die Appetit auf mehr macht. Wer noch eine Portion Cronegk braucht, kann sich die laufende Cronegk-Ausstellung in
der Staatlichen Bibliothek anschauen
oder sich in die gesammelten Werke
Cronegks vertiefen, die der Ansbacher
Verlag "Alte Post" herausgegeben hat. Nicht nur für Literatur-Archäologen ein Muss.
Hans von Draminski

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