Literatur

LeseLust 2008 - Eine Region liest!

31. März – 11. April 2008

Ludwig Fels

Ludwig Fels ist ein "Arbeiter-Schriftsteller", ohne dass er sich einer bestimmten ideologischen Richtung zurechnen ließe. Seine aggressive, sprachgewaltige Prosa und Lyrik ist vielmehr bestimmt durch Wut auf Unterdrückung in jeglicher Form und Zorn über gesellschaftliche Strukturen, die Unterdrückung möglich machen.

Ewald Arenz ist Fürther, Schriftsteller und dreifacher Vater. Und er hat eine Vorliebe für das 19. Jahrhundert, für die großen Pioniere und Entdecker. Außerdem ist er auch noch Lehrer. Die Schüler mögen ihn sehr, vielleicht gerade deshalb, weil er ein bisschen anders ist. Er sei Romantiker, sagt Ewald Arenz von sich, und so kleidet er sich auch, täglich. Je nach Wetterlage mit schwarzer Melone oder hellem Strohhut.

Ludwig Fels, der aus einer Kleinbürgerfamilie stammt und ohne Vater in Treuchtlingen aufwuchs, startete unter denkbar schlechten Bedingungen ins Leben. Eine abgebrochene Malerlehre, Gelegenheitsarbeiten und häufig wechselnde Arbeitgeber scheinen den Weg an den Rand der Gesellschaft vorzuzeichnen. Aber Ludwig Fels beginnt zu schreiben und die Aufmerksarnkeit der literarischen Welt richtet sich sehr schnell auf seine Sprachmacht und seine Schonungslosigkeit im Beschreiben einer Welt voll Ungerechtigkeit und Korruption. Zahlreiche Veroffentlichungen bringen ihm renommierte Literaturpreise ein. Ludwig Fels liest aus seinem 2006 erschienen Roman "Reise zum Mittelpunkt des Herzens". Fels erzählt darin mit groger Klarheit und mit einer Eindringlichkeit, der man sich nicht entziehen kann, eine einfache Geschichte, die doch so rätselhaft ist wie das Leben selbst und so bezwingend wie die Liebe. Veroffentlichungen: "Anläufe", "Platzangst", "Ernüchterung", "Die Sünden der Armut", "Ich war nicht in Amerika", "Ein Unding der Liebe", "Vom Gesang der Bäuche", "Der Himmel war eine groge Gegenwart", "Mister Joe", "Reise zum Mittelpunkt des Herzens" (Auswahl, außerdem zahlreiche Hörspiele und Theaterstücke).

Auszeichnungen: Leonce-und-Lena-Preis, Preis der SWR Bestenliste, Kulturpreis der Stadt Nurnberg, Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster, Villa-Massimo-Stipendium, Elias-Canetti-Stipendium, Wolfgang-Koeppen-Preis. (Auswahl).

Biographie: Ludwig Fels, 1946 in Treuchtlingen geboren, lebt seit 1983 in Wien. Er schlug sich in Treuchtlingen und Nürnberg als Gelegenheitsarbeiter durch, bis er erste literarische Erfolge errang. Er ist heute Mitglied des PEN-Zentrums der BRD und wurde mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Montag, 31. März 2008 20 Uhr
Ansbach Kunsthaus Reitbahn 3

 

 

Susanne Betz

Uber das wahre Leben der Markgräfin Friederike von Ansbach ist wenig bekannt. Geschickt füllt Susanne Betz in ihrem Debütroman "Falkenjagd" die Lücken und schildert farben-prächtig und opulent, wie das Leben der Markgrafin gewesen sein könnte. Herausgekommen ist ein faszinierendes Portrait vom Ende des Rokoko und den Anfängen der Aufklärung.
Preußen, 1729: Friederike, die Schwester Friedrichs des Großen, wird mit 14 Jahren an den robusten Markgrafen von Ansbach verheiratet. Doch das intrigante und frivole Hofleben wird fur die junge, wissbegierige Markgräfin bald zum goldenen Käfig. Während sich ihr Gatte nur fur seine Mätresse und die Falkenjagd begeistert, treibt sie wissenschaftliche Experimente mit Ackerbau und Viehzucht. Der Hofstaat ist entsetzt, als sich Friederike weigert, ihr Gesicht mit arsenhaltigem Puder zu schminken und sich stattdessen wäscht! Diese Neuerungen werden allseits mit Argwohn beobachtet. Ais ihre Schwester Wilhelmine von Bayreuth ihr einen vermeintlichen Spitzel schickt, den attraktiven Heinrich von Gleichen, erlebt Friederike endlich die große Liebe ihres Lebens, mit der sie alle Konventionen endgiiltig hinter sich lassen kann. Mit Fantasie und Farbenpracht beschreibt Susanne Betz in ihrem Debut das Leben der Markgrafin wie es hätte sein können.

Veröffentlichungen: "Falkenjagd".

Biographie: Susanne Betz wurde 1959 in Gunzenhausen geboren. Sie studierte Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften in Deutschland, den USA und Kolumbien. Danach arbeitete die promovierte Historikerin bei verschiedenen deutschen und amerikanischen Tages- zeitungen und Zeitschriften. Seit 1993 ist sie Hörfunkredakteurin in der Abteilung Politik des BR. Sie lebt mit ihrem Mann und 3 Kindem in der Nähe von München und schreibt an ihrem zweiten Roman.

Mittwoch, 2. April 20 Uhr
Kultutzentrum Karlshalle
91522 Ansbach
www.speckdrumm.de

 

 

Gerd Berghofer

Von beeindruckender Geschlossenheit im Aufbau, in der Sprache, in der Bildwahl und im Textrhythmus sind Gerd Berghofers Lyrikbände. In durchweg knappen, kunstvoll schlichten Versen, wunderbaren Metaphern und messerscharf formulierten Gedankenblitzen betrachtet der Autor Menschliches und Allzumenschliches.

"Gerd Berghofers Lyrik gehört zu dem Beachtenswertesten, was in der Region geschrieben wird", urteilte die Nürnberger Nachrichten über den 40-jährigen Schriftsteller. Er gehört zu den wenigen anerkannten Lyrikern im Großraum. Seine Stärke ist es, das am Boden liegende, das er zufällig findet, der Achtlosigkeit zu entreißen, aber auch mit seinen knappen, kunstvoll schlichten Versen subtile Zeitkritik zu üben. Berghofer findet prägnante, aber nie gesucht wirkende Formulierungen, und er verfügt dazu uber einen Hauch von ironischer Gelassenheit. Am deutlichsten hat er dies mit seinen beiden letzten Gedicht-bänden "Die Geschmeidigkeit der Stunden" und "Sprachverknappung" gezeigt, aus denen er an dies em Abend lesen wird.

Veroffentlichungen: "Nassgeschwitzt", "Lichthungrig", "Beziehungen und andere Feindschaften", "Sprachverknappung", "Der T od der Feigenverkäuferin" (Auswahl).

Auszeichnungen: Literaturpreis der Esslinger Künstlergilde, Förderpreis des Verbandes Fränkischer Schriftsteller, Literaturpreis des Freien deutschen Autorenverbandes, Elisabeth-Engelhardt-Literaturpreis (Auswahl).

Biographie: Geboren 1967, freier Schriftsteller, Rezitator und Journalist. Er lebt in Georgensgmünd, ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) und war Vorsitzender der Neuen Gesellschaft fur Literatur (Erlangen).

Freitag, 3. April 20 Uhr
Ansbach - Stadtbücherei, Karlsplatz

 

 

Habib Bektas

Bektas ist ein poetischer Realist, dem die Abbildung der Wirklichkeit viel weniger als deren dichterische Gestaltung zu bedeuten scheint. Seine Texte zeugen von Fantasie und von Sehnsüchten, vor allem aber von einem hohen Maß an Menschenverstand, immer in einer schnörkelfreien, konzentrierten Sprache geschrieben.

Bektas lebt seit 1973 im Fränkischen, wo er das Theatercafe "Garage" zusammen mit seiner Frau betreibt. Zahlreiche Veröffentlichungen, darunter der schone Gedichtband "Zaghaft meine Sehnsucht", trugen ihm Renommee ein als Dichter, der jenseits von Exil-Larmoyanz immer auch eine künstlerische wie existenzielle Standortbestimmung betrieb. Natürlich liest Bektas viel türkische Literatur in seinem deutschen Umfeld, um über die Sprache in "Tuchfühlung" mit seiner Herkunft zu bleiben. Fast nichts in seinen Texten hat indes mit "typischer Gastarbeiterliteratur" zu tun. Jeder seiner Texte entsteht zuerst in Türkisch, dann, mit viel Mühsal und literarisch beschlagenen, wenn möglich mehrsprachigen Freunden, in deutscher "Nachdichtung". Eine "Unmöglichkeit" oft, vor allem bei Gedichten: unmöglich deswegen, weil gerade die ursprüngliche "Sprachhaut" der Poesie nicht einfach in eine andere transplantiert werden kann.

Veröffentlichungen: "Belagerung des Lebens", "Reden die Sterne", "Das Länderspiel", "Sirin wünscht sich einen Weihnachtsbaum", "Zaghaft meine Sehnsucht", "Ein gewöhnlicher Tag" (Auswahl, zahlreiche Veröffentlichungen im Ausland, Hörfunk, Film und Theater).

Auszeichnungen: Kulturforderpreis der Stadt Erlangen, Romanpreis der Milliyet für den Roman "Hamriyanim", Romanpreis des Inkilap Verlages (Auswahl). Biographie: Habib Bektas wurde 1951 in Salihli, Türkei geboren. Er lebt und arbeitet seit 1973 in Deutschland. Seine Romane, Kurzgeschichten und Lyrik wurden sowohl in Deutschland als auch in der Tükei publiziert, einige davon in Deutschland im Hörfunk des BR und der türkischen Rundfunkanstalt TRT bzw. im Theater inszeniert. Seinen "Duft der Schauen" hat der türkische Regisseur Atif Yilmaz unter dem Titel "Septembersturm" verfilmt, der auch in deutschen Kinos gezeigt wurde.

Dienstag, 8. April 20 Uhr
Ansbach Kunsthaus Reitbahn 3

 

 

Jan BeinOen

Seit seinem Romandebüt 1997 beim renommierten Reclam Verlag Leipzig hat sich Jan BeinOen einen Namen in der deutschen Krimiszene gemacht. Seine Bücher im Stil der klassischen angelsächsischen Kriminalromane zeichnen sich nicht nur durch Spannung und Humor aus, sondern vor allem auch durch BeinOens umfangreiche Recherche, die den Leser tief in die Materie seiner Romane eintauchen lässt.

Der Kaspar-Hauser-Begeisterte Henlein will im Besitz eines bisher unbekannten Kleidungsstucks des berühmten Findelkindes sein: e¬nem Hemd mit Blutfleck. Paul Flemming wird als Fotograf beauftragt, für eine Story Bilder davon zu machen. Als er Henlein zu einem Fototermin in Ansbach treffen will, verunglückt der jedoch vor seinen Augen mit dem Auto tödlich. Im Wrack findet Paul einen Metallkoffer mit dem Hemd von Kaspar Hauser. Als dann kurze Zeit später auch noch ein Heraldiker, der sich mit dem Hauser-Fall beschäftigt hat, ums Leben kommt, beschließt Paul, den mysteriösen Todesfällen auf den Grund zu gehen.

Veröffentlichungen: "Zwei Frauen gegen die Zeit", "Die Genfalle", "Messers Schneide", "Dürers Mätresse", "Sieben Zentimeter", "Hausers Bruder" (weitere Bände der Frankenkrimireihe sind in Arbeit).

Auszeichnungen: Bundesfilmpreis für hervorragende Videoarbeit in der Schule.

Biographie: Jan BeinOen wurde 1965 in Stadthagen (Niedersachsen) geboren. Nach Abitur und Wehrdienst folgte an der Universität Hannover das Studium der Germanistik, das BeinOen zugunsten eines zweijährigen Zeitungvolontariats abbrach. Es folgten Tätigkeitten als Redakteur in Hameln, Nürnberg (AZ) und Airport Nürnberg (Unternehmenskommunikation). Der in Herzogen-aurach lebende Autor ist verheiratet und hat drei Kinder.

Freitag, 11. April 20 Uhr
Ansbach Kunsthaus Reitbahn 3